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Telematikinfrastruktur erklärt: Was Zahnarztpraxen 2026 wissen müssen

  • sebastianschmaus
  • vor 7 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist eines der wichtigsten Digitalisierungsprojekte im deutschen Gesundheitswesen. Für Zahnarztpraxen ist sie spätestens ab 2026 vollständig verpflichtend und wirkt sich direkt auf Abrechnung, Patientenkommunikation, Datenschutz und Praxisorganisation aus.

Dieser Artikel erklärt verständlich, rechtssicher und praxisnah,

  • was die Telematikinfrastruktur ist,

  • warum sie für Zahnärzte verpflichtend ist,

  • welche TI-Anwendungen 2026 relevant sind

  • und wie Zahnarztpraxen sich strategisch vorbereiten sollten.



Was ist die Telematikinfrastruktur (TI)?

Die Telematikinfrastruktur ist ein geschlossenes, hochsicheres digitales Netzwerk, das alle Beteiligten des Gesundheitswesens miteinander verbindet:

  • Zahnarztpraxen

  • Arztpraxen

  • Krankenhäuser

  • Apotheken

  • Krankenkassen

  • Patientinnen und Patienten

Sie wird von der gematik GmbH betrieben und im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit kontinuierlich weiterentwickelt.



Ziel der Telematikinfrastruktur

Das zentrale Ziel der TI ist es, medizinische und administrative Daten sicher, standardisiert und sektorenübergreifend auszutauschen – unter Einhaltung höchster Datenschutz- und Sicherheitsstandards.

Für Zahnarztpraxen bedeutet das:

  • weniger Papier

  • weniger Medienbrüche

  • schnellere Prozesse

  • rechtssichere digitale Kommunikation



Warum ist die Telematikinfrastruktur für Zahnarztpraxen Pflicht?

Die Teilnahme an der Telematikinfrastruktur ist gesetzlich vorgeschrieben. Die rechtliche Grundlage findet sich insbesondere im Sozialgesetzbuch V (SGB V).

Zahnarztpraxen, die gesetzlich Versicherte behandeln, sind verpflichtet:

  • sich an die TI anzuschließen

  • definierte TI-Anwendungen zu nutzen

  • technische und organisatorische Voraussetzungen dauerhaft bereitzustellen



Wichtig zu wissen

Die TI ist keine freiwillige Digitalisierung, sondern eine Abrechnungsvoraussetzung.Fehlende oder fehlerhafte TI-Anbindung kann zu Honorarkürzungen oder Abrechnungsausschlüssen führen.



Warum ist das Jahr 2026 für Zahnärzte besonders wichtig?


2026 markiert einen entscheidenden Wendepunkt:

  • Übergangs- und Kulanzregelungen laufen aus

  • mehrere Anwendungen werden flächendeckend Pflicht

  • Patienten erhalten deutlich mehr digitale Rechte

  • Prüfungen durch KZVen werden strenger

👉 Ab 2026 gilt: TI-Ausfälle sind kein Ausnahmefall mehr, sondern ein wirtschaftliches Risiko.



Welche TI-Anwendungen müssen Zahnarztpraxen 2026 nutzen?



1. Elektronische Patientenakte (ePA)

Die elektronische Patientenakte wird ab 2025/2026 als Opt-out-Modell eingeführt.


Was bedeutet Opt-out?

  • Jeder gesetzlich Versicherte erhält automatisch eine ePA

  • Patienten müssen aktiv widersprechen, wenn sie keine wollen

  • Zahnärzte sind verpflichtet, relevante Behandlungsinformationen bereitzustellen


Relevante Inhalte für Zahnarztpraxen

  • Befunde

  • Heil- und Kostenpläne

  • Behandlungsdokumentationen

  • Metadaten zu Röntgenaufnahmen



2. eRezept in der Zahnarztpraxis

Das eRezept ersetzt das klassische Papierrezept vollständig.

Für Zahnärzte bedeutet das:

  • digitale Verordnung von Medikamenten

  • qualifizierte elektronische Signatur (eHBA)

  • sichere Übertragung über die TI


Vorteil:Weniger Rückfragen, bessere Nachvollziehbarkeit, höhere Rechtssicherheit.



3. KIM – Kommunikation im Medizinwesen

KIM ist der verpflichtende sichere Kommunikationsdienst innerhalb der TI.

Pflicht für:

  • Zahnarztbriefe

  • Kommunikation mit Krankenkassen

  • strukturierte Befundübermittlung

KIM ersetzt unsichere Fax- und E-Mail-Kommunikation.



4. Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)

Beim ersten Patientenkontakt im Quartal:

  • Online-Abgleich der Versichertendaten

  • Aktualisierung direkt über die TI

Ohne funktionierendes VSDM ist eine regelkonforme Abrechnung nicht möglich.



5. Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

Auch Zahnarztpraxen sind betroffen, wenn:

  • eine Arbeitsunfähigkeit festgestellt wird

Die eAU wird digital an Krankenkassen übermittelt.



Welche technischen Voraussetzungen braucht eine Zahnarztpraxis?


Grundausstattung für die TI 2026

  • TI-Konnektor oder TI-Cloud-Lösung

  • SMC-B-Karte (Praxisausweis)

  • eHBA (elektronischer Heilberufsausweis)

  • TI-fähige Praxissoftware

  • Zertifizierter VPN-Zugangsdienst


Trend: Weg vom Hardware-Konnektor

Immer mehr Zahnarztpraxen wechseln zu:

  • TI-as-a-Service

  • Cloud-basierten Konnektoren


Gründe:

  • weniger Ausfälle

  • automatische Updates

  • geringerer Wartungsaufwand



Welche Sanktionen drohen ohne TI-Anbindung?

Zahnarztpraxen ohne vollständige TI riskieren:

  • pauschale Honorarkürzungen

  • Verzögerungen oder Ablehnung der Abrechnung

  • Beanstandungen durch die KZV

  • Imageschäden bei Patienten

👉 Die TI ist damit ein betriebswirtschaftlich relevantes Thema, nicht nur IT.



Vorteile der Telematikinfrastruktur für Zahnarztpraxen

Trotz vieler Herausforderungen bietet die TI echte Chancen:


Effizientere Praxisabläufe

  • digitale Prozesse statt Papier

  • weniger manuelle Arbeit

  • bessere Nachvollziehbarkeit


Bessere Patientenversorgung

  • vollständige Informationen

  • höhere Transparenz

  • bessere sektorübergreifende Zusammenarbeit


Zukunftssicherheit

  • Grundlage für weitere Digitalisierung

  • Voraussetzung für KI-gestützte Anwendungen

  • moderne Außenwirkung der Praxis


Typische Herausforderungen in Zahnarztpraxen

Viele Praxen berichten über:

  • technische Störungen

  • unklare Zuständigkeiten

  • fehlende Schulung des Teams

  • Unsicherheit beim Datenschutz


Wichtig: Die größten Probleme entstehen nicht durch die TI selbst, sondern durch fehlende Planung.



Wie sollten sich Zahnarztpraxen jetzt vorbereiten?

Empfohlene Schritte für 2026

  1. Aktuellen TI-Status prüfen

  2. Laufzeiten von Zertifikaten kontrollieren

  3. Praxissoftware regelmäßig aktualisieren

  4. Team gezielt schulen

  5. Cloud-TI als Alternative bewerten

  6. Datenschutz & IT-Sicherheit überprüfen



Fazit: Telematikinfrastruktur 2026 – Pflicht und strategische Chance


Die Telematikinfrastruktur ist 2026 fester Bestandteil jeder Zahnarztpraxis. Wer sie nur als gesetzliche Pflicht betrachtet, verschenkt Potenzial. Wer sie strategisch nutzt, schafft:

  • stabile Abläufe

  • rechtssichere Prozesse

  • digitale Zukunftsfähigkeit


Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die TI nicht nur technisch, sondern organisatorisch und strategisch richtig aufzustellen.



 
 
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