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KI in der Zahnarztpraxis:
Röntgenbildanalyse & Diagnostik

Künstliche Intelligenz erkennt Karies, apikale Läsionen und Knochenabbau auf Röntgenbildern – in Sekunden. Welche Tools gibt es, was können sie, und wie steht es um Datenschutz und Zulassung?

KI-gestützte Röntgenbildanalyse am Monitor – Karies- und Infektionserkennung in der Zahnarztpraxis

Was kann KI auf Dental-Röntgenbildern erkennen?

Aktuelle KI-Systeme für die Zahnmedizin analysieren Intraoral- und Panorama-Röntgenaufnahmen (OPG) und erkennen:

Karies

Auch frühstadiale Approximalkaries, die dem menschlichen Auge auf dem Röntgenbild entgehen kann.

Apikale Läsionen

Entzündungen an der Wurzelspitze – frühzeitig erkannt, bevor klinische Symptome auftreten.

Parodontitis & Knochenabbau

Knochenrückgang entlang der Zahnwurzeln – Schweregrad-Klassifikation inklusive.

Konkremente & Zahnstein

Subgingivale Konkremente, die klinisch schwer zu erkennen sind.

Bestehende Restaurationen

Automatische Erkennung von Füllungen, Kronen, Implantaten und Wurzelfüllungen.

Zahnidentifikation

Automatische Nummerierung und Klassifikation aller Zähne im Befund.

Studien zeigen, dass KI-Systeme Karies und Infektionen auf Röntgenbildern zuverlässiger erkennen als erfahrene Zahnärzte – besonders bei Approximalkaries und frühen apikalen Veränderungen.

KI-Tools für die Zahnarztpraxis im Überblick

Made in Germany CE-zertifiziert

::RAY (ehem. dentalXrai) – Charité Berlin

Entwickelt an der Charité – Universitätsmedizin Berlin von Zahnmedizinern und Datenwissenschaftlern. Seit Februar 2021 verfügbar. Aktuelle Version: dentalXrai Pro 3.0.

Erkennung

Karies, apikale Läsionen, Restaurationen, Implantate, Wurzelfüllungen

Integration

Exklusiv über synMedico (infoskop-Praxisumgebung)

Zulassung

CE-gekennzeichnet als Medizinprodukt (Klasse IIa, MDR)

Analyse-Dauer

Wenige Sekunden pro Bild

Dampsoft-Ökosystem

Dampsoft Athena KI 2.0

KI-basierte Röntgenbildanalyse integriert in die Athena-App. Zeigt den kompletten Zahnstatus auf OPG-Aufnahmen mit Farbmarkierungen an: Zähne, Restaurationen und Auffälligkeiten.

Erkennung

Apikale Aufhellungen, Konkremente, Anomalien, Zahnstatus

Integration

Z1, Evident, DENSOffice, DS-Win und weitere PVS

Besonderheit

Ideal für Patientenkommunikation und Früherkennung

Preis

Im Athena-App-Ökosystem enthalten; Konditionen über Dampsoft

Weitere Anbieter (international)

Pearl (Second Opinion)

USA · FDA-cleared, CE-Kennzeichnung

Röntgenanalyse, Befund-Validierung

Overjet

USA · FDA-cleared, CE-Kennzeichnung

Röntgenanalyse, Versicherungs-Workflow

Diagnocat / VideaHealth

International · CE / FDA (je nach Produkt)

3D/DVT-Analyse, Karieserkennung

Regulierung: MDR, EU AI Act & DSGVO

KI in der Zahnarztpraxis unterliegt gleich drei Regelwerken:

MDR – Medizinprodukteverordnung

KI-basierte Röntgenanalyse-Tools sind Medizinprodukte der Klasse IIa oder höher (EU 2017/745). Sie benötigen eine CE-Kennzeichnung und müssen detaillierte Angaben zu Zweckbestimmung, Leistungsgrenzen, Genauigkeit und Cybersicherheit enthalten.

EU AI Act – KI-Verordnung

KI-Anwendungen im Gesundheitswesen gelten als Hochrisiko-KI-Systeme. Medizinprodukte mit KI ab Risikoklasse IIa fallen automatisch unter die Hochrisiko-Kategorie. Anforderungen: Risikomanagement, menschliche Aufsicht, umfangreiche Dokumentation, Transparenzpflichten. Compliance-Frist: 2. August 2027.

DSGVO – Datenschutz

Gesundheitsdaten sind besondere Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO) mit erhöhten Schutzanforderungen. Zentrale Fragen: Wo werden die Röntgenbilder verarbeitet – lokal oder in der Cloud? EU-Server oder Drittland? Liegt ein AVV vor? Optionen: On-Premise-Verarbeitung, EU-Cloud mit GPU-Hardware oder herstellerbetriebene KI-Instanzen mit AVV.

BZÄK-Position: „Die KI unterstützt, der Mensch entscheidet“

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat eine KI-Checkliste für Zahnarztpraxen veröffentlicht. Kernaussage: KI ist ein Unterstützungswerkzeug, kein Ersatz für die zahnärztliche Entscheidung. Der Zahnarzt bleibt persönlich voll verantwortlich – auch wenn die KI den Befund vorschlägt.

Praxisbeispiel: KI-Röntgenanalyse im Alltag

1
Röntgenbild aufnehmen
Die MFA erstellt eine Intraoral- oder OPG-Aufnahme wie gewohnt. Das Bild wird per DICOM an den PACS-Server übertragen.
2
KI analysiert automatisch
Das KI-System analysiert das Bild in wenigen Sekunden. Auffälligkeiten werden farbig markiert: Karies, apikale Läsionen, Konkremente, bestehende Restaurationen.
3
Zahnarzt befundet
Der Zahnarzt prüft die KI-Vorschläge am Monitor, bestätigt oder verwirft sie und erstellt den endgültigen Befund. Die KI ist eine zweite Meinung, keine Diagnose.
4
Patientengespräch
Die farbig markierte Darstellung eignet sich hervorragend für die Patientenkommunikation: „Hier sehen Sie die Stelle, die die KI und ich als behandlungsbedürftig identifiziert haben.“

IT-Voraussetzungen für KI in der Praxis

Was braucht Ihre Praxis-IT, damit KI-Röntgenanalyse funktioniert?

  • Schnelle Internetverbindung: Cloud-basierte KI-Tools benötigen eine stabile Internetleitung für den Upload der Röntgenbilder.
  • DICOM-fähige Röntgengeräte: Die KI-Analyse setzt digitale Röntgenbilder im DICOM-Format voraus. Analoge Aufnahmen müssen erst digitalisiert werden.
  • Kompatible Praxissoftware: Nicht jedes KI-Tool funktioniert mit jedem PVS. Prüfen Sie die Kompatibilität vor der Anschaffung.
  • DSGVO-konforme Infrastruktur: Wenn Röntgenbilder in die Cloud übertragen werden: AVV mit dem KI-Anbieter, EU-Serverstandort, Verschlüsselung.
  • Netzwerksegmentierung: Röntgengeräte und KI-Systeme sollten gemäß KBV-Richtlinie in einem separaten Netzwerksegment betrieben werden.

Häufige Fragen

Ersetzt KI den Zahnarzt bei der Befundung?

Nein – eindeutig nicht. KI ist ein Unterstützungswerkzeug („Second Opinion“), kein Ersatz. Die BZÄK stellt klar: Der Zahnarzt bleibt persönlich voll verantwortlich für jeden Befund. Die KI kann Auffälligkeiten markieren, aber die klinische Entscheidung trifft der Mensch.

Wie genau ist KI bei der Karies-Erkennung?

Studien der Charité Berlin zeigen, dass : :RAY (dentalXrai) Karies und Infektionen signifikant zuverlässiger erkennt als erfahrene Zahnärzte – besonders bei Approximalkaries. Die Genauigkeit hängt vom jeweiligen System und der Bildqualität ab. KI ist besonders stark bei der Erkennung subtiler Veränderungen, die das menschliche Auge übersieht.

Was kostet KI-Röntgenanalyse für meine Praxis?

Die Kosten variieren stark: Internationale Anbieter (Pearl, Overjet) kalkulieren 200–500 €/Monat. Deutsche Lösungen (dentalXrai über synMedico, Dampsoft Athena KI) haben eigene Preismodelle – teilweise im Software-Paket enthalten. Kontaktieren Sie den jeweiligen Anbieter für ein konkretes Angebot.

Dürfen Patientendaten für KI-Analyse in die Cloud?

Grundsätzlich ja – aber nur unter strengen DSGVO-Auflagen: Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Anbieter, Verarbeitung auf EU-Servern, Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung, Eintrag im Verarbeitungsverzeichnis. Alternativ gibt es On-Premise-Lösungen, bei denen die Daten Ihre Praxis nicht verlassen.

Brauche ich spezielle Hardware für KI in der Zahnarztpraxis?

Für Cloud-basierte KI-Lösungen: Nein – die Berechnung erfolgt auf den Servern des Anbieters. Sie benötigen nur digitale Röntgenbilder (DICOM) und eine stabile Internetverbindung. Für On-Premise-KI kann ein leistungsfähiger lokaler Server mit GPU erforderlich sein.

Welche Praxissoftware unterstützt KI-Röntgenanalyse?

Dampsoft Athena KI ist kompatibel mit Z1, Evident, DENSOffice und DS-Win. dentalXrai/::RAY ist exklusiv über synMedico (infoskop) verfügbar. Für Charly, CGM Medistar und medatixx gibt es bisher keine direkte KI-Integration – hier läuft die KI-Analyse über separate Software, die per DICOM angebunden wird.